Fischer- / Bauernstube um 1870

Zwischen der Ersterwähnung der kleinen Ansiedlung “byntze” 1318 und der schwungvollen Entwicklung zum Ostseebad Binz seit etwa 1870 liegen historisch nahezu ereignislose Jahrhunderte. Generationen von Fischerbauern lebten in einfachsten Verhältnissen in den niedrigen Fachwerkhäusern des kleinen Straßendorfes. Sie ernährten sich kärglich von dem, was Meer und Acker, Wald und Wiese ihnen boten.

 

Seit jeher stellte die Küche den zentralen Raum der Familie dar. Sie bot Wärme und Aufenthalt und immer auch Platz zum Arbeiten. Da mussten Netze geflickt, kleine Reparaturen durchgeführt und die Gaben des Landes und des Wassers verarbeitet werden. Die Küche war das Reich der Frauen mit all’ den lebensnotwendigen Handarbeiten, wie Spinnen, Weben, Nähen und Stricken.

 

Die hier nachgestellte Küche wird geprägt durch ihre Einfachheit. Die  Möbel kommen aus Binz und Umgebung, so auch von Mönchgut. Nicht in allen Fällen konnte ihr (ungefähres) Alter ermittelt werden. Das früher lasierte Holz strahlt seine eigene Ästhetik aus. Viele Spuren verweisen auf die Nutzung durch Generationen von Menschen.

Heraus ragt der schon etwas feiner gearbeitete Küchenschrank von etwa 1890 (links); er erhält durch seine blaugrüne Farbe einen eigenen Reiz. An der Wand hängt ein zierliches Gewürzschränkchen - eine Rarität in jener Zeit. Auf dem praktischen und eleganten Truhentisch darunter sind Küchengeräte zu sehen, dabei zwei hölzerne Butterformen.

Sehenswert sind noch weitere Exponate: eine größere Bank, Hocker und natürlich den Herd aus Backstein und Lehm. Arbeitsgeräte des Alltags künden linkerhand vom Fleiß der Frauen: Flachsbreche, Butterfass, Wollhaspel, Spinnrad.

Die bescheidenen Bilder mit christlichen Motiven an der rechten Wand verweisen auf die Leiden der Märtyrer und vor allem von Jesu. Sie mögen Trost für jene Generationen vor uns gewesen sein. Aber sie  verweisen auch darauf, dass ihnen keine Hilfe von Gottvater zuteil geworden ist, solcherart sind sie auch ein Abbild von Hoffnungslosigkeit. Zu einer Kritik an der Kirche waren natürlich Zeit und der Ort - fern von den großen gesellschaftlichen Bewegungen - noch nicht reif.

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